Polizeijournalismus gesucht

Der Berliner Tagesspiegel wirbt in seinem heutigen Newsletter folgendermaßen für einen Artikel: >>die Unfallmeldungen der Polizei klingen oft wie aus der Perspektive des verständnisvollen Beifahrers geschrieben: Der Autofahrer „konnte einen Zusammenstoß nicht mehr verhindern“, „nicht mehr rechtzeitig bremsen“, „nicht mehr ausweichen“. Die Radfahrerin oder der Fußgänger dagegen „wurde touchiert“, „erfasst“, „stürzte“ oder „kam unter den…

Autopsie: Die harsche Kritik an Relotius-Enthüller Juan Moreno

Die ZEIT hat mit einem kritischen Beitrag über das Buch “1000 Zeilen Lüge” von Juan Moreno die Relotius-Story neu auf die Tagesordnung gesetzt, der Medienjournalismus ist gut damit beschäftigt. Es geht um den hehren Anspruch des “Qualitätsjournalismus”, aufgehängt an verschiedenen Aspekten der “Richtigkeit”. Da bietet es sich an, den Ausgangsartikel selbst auf seine journalistische Akkuratesse hin zu untersuchen. Diese hier lose erscheinenden Autopsien sind als Fragestellung und Einladung zum Gespräch zu verstehen, nicht als Besserwisserei. Aus Gründen des Urheberrechts sind aus dem ZEIT-Artikel natürlich nur die notwendigen Passagen zitiert.

Alexander der große Verbrecher

Eine Stunde “was mit History” bei Deutschlandfunk Nova – und es war wie einst im Schulunterricht, wo die Heldentaten der großen Herrscher mit Jahreszahlen verbunden wurden. Die Sendung vom 11. Oktober feierte Alexander den Großen als großen “Feldherrn”. Man muss sicherlich nicht jeden Deppen bei jeder Erwähnung einen Deppen nennen, den Rechtsextremen nicht immer Nazi…

ZEIT-Artikel ein PR-Stück?

“Das vielleicht spannendste neue Projekt dieser Art in Österreich ist der Wohnrechtskonvent 2019”, schreibt Walter Osztovics in der Österreich-Ausgabe der ZEIT (34/2019). “Bürger an die Macht” heißt sein Stück, das verschiedene Bürgerkonsultationen in Europa kurz vorstellt. Neben dem spannenden Wohnrechtskonvent erwähnt der Autor noch eine prophetische “Arena Analyse 2019”, “eine Studie, die auf Expertenbefragungen beruht”…

Tagesspiegel: Von Katastrophe bis Katastrophe

Der Checkpoint Newsletter des Tagesspiegels ist so erfolgreich, weil er süffisant kommentiert, was in der  Stadt Berlin passiert. Dabei darf und muss zugespitzt werden, Ausgewogenheit ist nicht das oberste Ziel. Für die Journalistik dürfte das recht ergiebig werden, wenn sich mal jemand an die detaillierte Auswertung machen wird. Denn vom Querlesen her ist zu vermuten,…

Kluger Kopf komm’n’ziert nicht gern (Korinthe 92)

Während Spiegel-Online auf einen Fehler unterhalb der Eklat-Schwelle, immens beschäftigt mit der Qualitätssicherung am Beginn der Post-Relotius-Ära, erst gar nicht reagiert, nehmen Kollegen der FAZ doch schon am Folgetag das Gelächter über einen Bockschuss des Hauses zur Kenntnis. Was zum Social-Media-Sendungskonzept aber auch dort nicht gehört: irgendwie mit der Community zu kommunizieren, die man sich…

Korinthe (91): Gevatter Kroetz

Wozu den Lesern einst unmittelbare Kommentarmöglichkeiten gegeben wurden, weiß der Henker, vermutlich einfach nur, weil da plötzlich jene Technik war. Mit Kommunikation hat diese  “Interaktivität”  jedenfalls nichts zu schaffen, Redakteure bleiben von allen Communitydebatten ungerüht. Wozu Online-Medien überhaupt Dinge schreiben, fragt man sich weitergehend stets, wenn einen der Verdacht beschleicht, selbst die Mitarbeiter der eigenen…

Autopsie: “Diskriminierung an Berliner Schulen verdoppelt”

„Die am weitesten verbreitete Manipulation ist nicht das Hinzuerfinden, sondern das Weglassen”, sagte Brigitte Fehrle kürzlich dem “journalist“, als eine der Erkenntnisse aus ihrer Arbeit in der Relotius-Aufklärungskommission des SPIEGEL Aus unserer langjährigen medienjournalistischen Arbeit können wir bestätigen: der vorsätzliche Fake ist das geringste Problem der  Presse. Schauen wir uns daher in unserer losen Autopsie-Serie…

Medienbereinigung: Seehofer raus aus den News

Journalismus soll seinen Kunden durch Informationsangebote bei der Orientierung helfen – eine Binsenweisheit. Dass dies unterschiedlich gut gelingt, ist auch selbstverständlich. Leider gibt es immer wieder auch flächendeckendes Versagen beim journalistischen Auftrag – und die Medienkritik hat u.a. auf solches über den Einzelfall hinausgehende Misslingen zu fokussieren.Nicht selten kann man die Desinformationsgeschwader schon lange Zeit…

Ein Jahr nach Hitzacker – Das Schweigen über ein journalistisches Versagen

Zur Vollständigkeit einer Nachricht gehört, spätere Erkenntnisse, die für die Beurteilung  des Sachverhalts wichtig sind, deutlich als Ergänzung,  Follow up, oder Korrektur zu vermelden – und auf  solche  wichtigen Veränderungen in Online-Medien auch direkt vom Ursprungseintrag aus zu verlinken. Denn andernfalls bleiben unvollständige bzw. unrichtige  “Nachrichten” über Jahre verfügbar. Dies ist jedoch keine “Orientierungsleistung”, was…